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Unsere letzte Fahrt

Unsere letzte Fahrt

dieser Newsletter ist leider der letzte auf unserer gemeinsamen Reise. Mit dieser Ausgabe beendet der Bus seine Fahrt durch Cottbus. Das stimmt uns traurig – und kommt sicher für viele von euch überraschend.

Zu Beginn des Jahres sind wir mit der Mission gestartet, Cottbus von einer anderen Seite zu zeigen. Das heißt: Ecken zu beleuchten, die bisher kaum gesehen werden. Und Menschen vorzustellen, die das Stadtleben prägen und gestalten. Für uns als Redaktionsteam war das eine spannende Erfahrung mit vielen neuen Erkenntnissen.

Der Bus ist ein Gemeinschaftswerk der Krautreporter mit uns als Team vor Ort, das über einen begrenzten Zeitraum von sechs Monaten gefördert wurde durch das Medien-Innovationszentrum Babelsberg. Von Beginn an haben wir dieses Projekt als ein journalistisches Experiment angesehen. Leider konnten wir in dieser Zeit das Ziel, unser lokales Newsletter-Magazin zu einem nachhaltig finanzierbaren Angebot zu machen, nicht erreichen. Heute dreht der Bus daher seine letzte Runde. Wir zeigen Dir nochmal die schönsten Stationen.

Wir haben die Themen der Stadt zu Geschichten gemacht

Die meisten kanntest Du bereits – aber wir haben sie Dir neu eröffnet. Wie den Ostsee, das alte Tagebauloch am Stadtrand, in das zurzeit kein Wasser fließt, dafür aber viele Hoffnungen der Stadt auf eine Zukunft am Meer. Oder die Stadtbrache, ein großes, unbebautes Stück urbanen Raums zwischen Stadthalle, Wohnscheibe und zwei Shopping-Malls, das auf gute Ideen wartet. Komm gern auch nochmal mit in die Stadtverordnetenversammlung – jene leicht schrullige Veranstaltung, die in ihrer Behäbigkeit und vielstündigen Geduldsarbeit die Entscheidungen für die Zukunft der Stadt trifft.

Wir haben mit kessen Einwürfen wichtige Debatten angestoßen, etwa darüber, was sorbische Kultur heute bedeutet. Wir haben Ideen eingebracht, wie das Cottbus von morgen aussehen kann – und gezeigt, wo es bereits zu sehen ist.

Wir haben Cottbus bekannter gemacht

Unsere Idee war ein Produkt für die engagierten, jungen und junggebliebenen Menschen, die Cottbus neu gestalten wollen. Also für Leute wie Dich, die dafür brennen, Cottbus jeden Tag schöner, vielfältiger, lebenswerter und bekannter zu machen. Wir haben das unterstützt, indem wir über viele gute Ideen, kluge Ansätze und wichtige Projekte geschrieben haben.

Wir – das sind Christina, die sich als Expertin für digitalen Journalismus um unsere Tools gekümmert hat, Friderike, die für Social Media und den Aufbau dieser Community zuständig war, und Christine als Reporterin mit zehn Jahren Erfahrung in der Lausitz und in Cottbus.

Mit unserem Ansatz konnten wir eine kleine, aktive Community versammeln, zu der auch Du gehörst. Über das vergangene halbe Jahr haben fast 400 Abonnenten unsere Geschichten gelesen – und mitgestaltet. Unsere Umfragen zu den Themen, die die Stadt bewegen, hatten bis zu 430 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Bus & Co. stärken die Demokratie

Wir sind mit unserem Bus auch journalistisch neue Wege gefahren. Der Lokaljournalismus ist in der Krise. Immer weniger Menschen lesen Tageszeitungen. Gerade die Jüngeren suchen nach neuen Quellen für gute Informationen und Plattformen für Debatte. Wir wollten in Cottbus eine Antwort auf die Frage finden, die die Medienbranche seit Jahren beschäftigt: Wie können wir einen neuen Lokaljournalismus etablieren?

Bei Lokaljournalismus geht es um mehr als um Informationen aus der Nachbarschaft. Es geht auch um Mitbestimmung im sozialen Nahraum. Daran haben immer mehr Menschen Interesse, egal ob es um Bauprojekte in ihrer Stadt geht oder um das Einkaufsangebot. Das ist gut so und das sichert am Ende die Demokratie. Ein solches journalistisches Angebot kann auf Dauer nur von den Nutzerinnen und Nutzern finanziert werden. Egal, ob sie Abonnenten sind oder Mitglieder einer Community.

Doch den Sprung zu schaffen und ein bezahlter Newsletter zu werden, das ist gar nicht so einfach, das braucht Zeit und Vertrauen. Jede*r Fünfte in Deutschland könnte sich prinzipiell vorstellen, für einen Newsletter zu bezahlen.

Was Du weiterhin lesen kannst

Wir sind überzeugt, dass der digitale Newsletter die Zeitung von morgen ist. Informationen, Analysen und Geschichten, die direkt ins E-Mail-Fach kommen, haben das Zeug, die Nachrichtenwelt zu revolutionieren. Wenn Du weiter am Ball bleiben willst, gibt es eine Reihe von Angeboten in Deiner Nähe, die Du nutzen kannst: Die Lausitzer Rundschau hat etwa gerade einen lokalen Newsletter gestartet, der Dich über die Entwicklungen in der Stadt auf dem Laufenden hält.

Für uns als Team ist das kein Abschied von Cottbus – im Gegenteil. Wir arbeiten bereits an einem neuen Projekt. Darin widmen wir uns der Frage, wie die Lausitz ihren Weg aus der Braunkohle hin zu neuer Wirtschaft und Lebensqualität geht; du kannst uns also wiedersehen und -lesen – und zwar auf neuelausitz.de. Und wenn Du Spaß gefunden hast an wöchentlichen E-Mail-Newslettern, dann teste das Neue Lausitz Briefing. Wir freuen uns auf Dich.

Wir sagen tschüss und danken Dir herzlich, dass Du mitgefahren bist in diesem spannenden halben Jahr. Wir hoffen, Dir hat gefallen, was wir Dir zeigen konnten von Cottbus, der dynamischsten Stadt Deutschlands.

Bis bald

Christine & Friderike

P.S.: Selbstverständlich werden wir alle Deine Daten zum Ende dieses Projekts am 30. Juni 2022 löschen.