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Die Jungs mit den Werkzeugautomaten

Die Jungs mit den Werkzeugautomaten
"Eine Kiste mit Gold finden" sagt Jan Gerlach im Büro mit Werkzeugkisten.

Bei Bedarf kurz einen Schlagbohrer aus dem Automaten ziehen? Das Startup Toolbot macht’s möglich. Mit seiner Geschäftsidee trat Jan Gerlach im TV bei "Die Höhle der Löwen" an, ging jedoch leer aus.

von Christine Keilholz

Am 11. April hatte Jan Gerlach seine "15 Minutes of Fame". Eine Folge lang waren der Cottbuser Unternehmer und seine Kollegen in der Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen" zu sehen. Sie stellten ihre Geschäftsidee einer Jury vor – und versuchten, sie zu einem Investment zu bewegen. Doch die ruhmvollen Minuten verstrichen schnell und das Team von Toolbot bekam die gewünschten 500.000 Euro zum Durchstarten nicht.

Jan Gerlach sieht es gelassen. Darum ging es ihm gar nicht, sagt er. "Wichtiger ist uns, dass wir jetzt bekannt sind." Und damit auch ihre Idee: Toolbot ist ein smarter Werkzeugverleih. Die junge Firma will Leuten, die schrauben und bohren müssen, auf einfachem Wege das richtige Werkzeug verschaffen. Sie können es online bestellen, aus einem Automaten ziehen und einfach wieder zurückbringen. Ein simples, zeitgemäßes Sharing-Modell, mit dem sich Ressourcen, Müll und CO2 einsparen lassen.

Schlagbohrer im Herzen von Cottbus

Jan Gerlach ist 41 Jahre alt und ein Kind der Lausitz. Zum Industriedesign-Studium ging er nach Potsdam und beschäftigte sich vor allem mit der Frage, wie man Designs umweltfreundlicher machen kann. Das Projekt Toolbot ging 2018 in Berlin an den Start, ein Großteil des Teams sitzt auch heute noch dort, doch Jan Gerlach ist für die Weiterentwicklung des Startups in seine Heimat zurückgekehrt – und logiert mit der Toolbot-Werkstatt nun im Herzen von Cottbus.

Unten in der Wohnscheibe an der Stadtpromenade haben er und seine Mitstreiter Räume gefunden. Was früher mal eine Fernseh-Werkstatt war, ist jetzt die Cottbuser Dependence des Unternehmens Thingk Systems und ihres Verleihdiensts Toolbot. Ab und an, sagt Jan Gerlach, kommen noch alte Herrschaften vorbei und wollen ihren Fernseher reparieren lassen. Doch diese Zeiten sind vorbei. In den Räumen stehen nun jede Menge graue Kisten herum, die "Smart Toolcases", in denen die Kunden ihre Schlagbohrer und anderes Werkzeug bekommen.

Profi-Werkzeug aus dem Automaten

Jedes Startup braucht eine gute Story, wie es zustande kam. Die Story von Toolbot handelt davon, wie Jan Gerlach einst kurzfristig eine Stichsäge brauchte und sich bei einem Werkzeugverleih wiederfand: Lange Schlange, Ausweis kopieren, Kaution hinterlegen, viele Zettel ausfüllen. Das war ihm zu anstrengend. Es reizte ihn, einen einfacheren Weg zu finden.

Als er ins Arbeitsleben startete, war gerade die Zeit des ersten Sharing-Hypes: Nutzen statt Besitzen, Teilen statt Kaufen. Ökologie stand hoch im Kurs, Carsharing kam in Mode. Warum also nicht einfach das Prinzip auf Werkzeug anwenden? Nicht jeder muss sich teure Handwerker-Ausrüstung selbst anschaffen, die meisten Leute brauchen spezielle Werkzeuge schließlich nur selten, der Schlagbohrer liegt dann eingestaubt im Keller herum.

Ein Vorteil beim Verleih-Modell: "Man kann durch Sharing den Leuten viel bessere Produkte bieten", sagt Jan Gerlach. Bei Werkzeug ist gute Qualität wichtig. Auch dem Anfänger ist viel besser gedient mit einer Profi-Handkreissäge, die einem bei unsachgemäßer Handhabung nicht gleich den Arm absägt, als mit der billigsten Variante, die man sich vielleicht für die gelegentliche Nutzung kaufen würde.

Toolbot will jedoch nicht einfach ein normaler Werkzeugverleih sein. Das Besondere an der Idee der Gründer: Das Ausleihen sollte automatisiert werden. Das heißt: Man bestellt per App, geht zum nächsten Automaten, zieht sein Werkzeug raus, bohrt seine Löcher, bringt das Gerät zurück – und fertig.

In Cottbus ist’s günstiger als in Berlin

Die ersten Automaten waren nichts weiter als Holzkisten. Das Toolbot-Team stellte sie zu Anfang in Berliner Spätis auf und zahlte Miete dafür; in den Kiosken war es immerhin trocken und geschlossen, es gab Strom und Internet. "Das war cool für den Anfang", sagt Jan Gerlach. Inzwischen hat Toolbot große Automaten, gehalten in den Signature-Farben grün und grau. In Cottbus steht der Kasten im Hauptbahnhof.

Cottbus ist interessant als Standort für Startups, die viel Fläche brauchen. Eine Werkstatt wie die an der Stadtpromenade würde in Berlin ein Vermögen kosten. Im Toolbot-Team sind unter anderem Christian Lehmann, Mario Drelas und Krispin Schulz. Sie haben sich zusammen in das Abenteuer Werkzeugverleih gestürzt, weil sie aus der nachhaltigen Nutzung von Dingen ein Geschäft machen wollten. Jan Gerlach hat ausgerechnet, dass jede Toolbot-Station mit 50 Werkzeugen über 715 Tonnen CO2 einspare. "Es ist eine Mischung aus Ideologie und Arbeit mit Freunden an einem Projekt", sagt er. "Eine Arbeit wie eine Abenteuerreise, die man auch macht, weil man hofft, eine Kiste mit Gold zu finden."

Seit dem TV-Auftritt rufen ständig Leute an

Natürlich hatten sie darauf gehofft, die Kiste mit Gold in der "Höhle der Löwen" zu finden. Ein solcher Fernsehauftritt vor zwei Millionen Zuschauern kann einem Startup zum Durchbruch verhelfen. Aber eben nicht nur, wenn man dort das große Los zieht und ein Investment bekommt, betont Gründer Jan Gerlach. Er ist froh, dass es Toolbot überhaupt in die Sendung geschafft hat. "Die müssen die Story fürs Publikum schnell erzählen können", sagt er. "Dafür waren unsere Antworten zu lang."

Aber der Auftritt hat etwas in Gang gebracht. Seitdem rufen dauernd Leute an, die mit Toolbot zusammenarbeiten wollen. Das passt gut, denn das Team baut zurzeit ein Franchise-System auf. Dafür werden Mitstreiter gesucht, die Automaten in anderen Städten betreiben. Ein paar gute Bewerbungen seien schon dabei gewesen. Die Ausstrahlung im Fernsehen hat Ausstrahlung gebracht.