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Studieren in Cottbus. Ist das cool?

Studieren in Cottbus. Ist das cool?
| Foto: CC BY-SA 3.0 sane

Sagen wir es, wie es ist: Cottbus hat keine Top-Universität. Aber jetzt will die BTU sich ein neues Image aufbauen – und soll bald auch Medizin lehren. Wir haben Euch gefragt, was Ihr davon haltet und ob das funktionieren kann.

von Christine Keilholz

Wenn alles so klappt, wie Manja Schüle von der SPD es sich vorstellt, dann wird in ein paar Jahren am Studienstandort Cottbus nichts mehr so sein wie heute. Brandenburgs Wissenschaftsministerin ist gefühlt jeden Monat in der Stadt, um ein neues außeruniversitäres Forschungsinstitut oder einen neuen akademischen Verbund einzuweihen – zuletzt den „Lausitz Science Park“. Der ist eine Art Dachmarke für all die Forschungseinrichtungen, die es nun in der Region gibt. Allen voran natürlich die BTU Cottbus. Korrekterweise heißt es ja: BTU Cottbus-Senftenberg. Darf man nicht unterschlagen. Aber dazu später.

Die Stadt werde durch den Science Park „als Wissenschaftsstandort gestärkt“, betonte Schüle wiederholt. Wenn ein Wissenschaftsstandort gestärkt werden muss, dann steht er wohl nicht so gut da. Das trifft auf Cottbus leider zu. Cottbus ist nicht gerade das Heidelberg des Ostens. Auf der Landkarte der coolen Unistädte steht es im Schatten von Berlin, Dresden und Leipzig und etwa einem halben Dutzend anderer Städte. Trotzdem haben sich 6.800 Studierende und 181 Professoren doch bewusst für Cottbus entschieden.

Wir wollten von Euch in einer Umfrage wissen, welche besondere Kompetenz Ihr mit der BTU Cottbus(-Senftenberg) verbindet. Und was Ihr von den bombastischen Plänen haltet, die diese Uni jetzt nach vorn katapultieren sollen. Etwa dass es hier schon bald eine Medizinerausbildung geben soll. Es kamen 20 Antworten zusammen, die ein neues Licht auf das Studieren in Cottbus werfen.

BTU Cottbus-Senftenberg – irgendwo im Mittelfeld

Lange wurde die Qualität des Studienstandorts Cottbus in erster Linie daran gemessen, wie schnell man von hier wieder zurück nach Berlin kommt. Denn von dort kommen viele Studierende und außerdem wohnen nicht wenige Professorinnen und Assistenten dort. Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus(-Senftenberg) ist keine Top-Universität. Aber woran misst man überhaupt die Qualität eines Studienorts? Indikatoren sind etwa der Platz in den gängigen Hochschulrankings. Oder auch Gütesiegel wie jenes des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) für faire und transparente Berufungsverhandlungen, das die BTU soeben für weitere fünf Jahre bekommen hat. Gemäß der Anzahl der Studierenden liegt die BTU zwar in Brandenburg auf Platz 2, aber das Bundesland hat eben auch nur wenige Hochschulen. Bundesweit liegt Cottbus mit Blick auf die Studierendenzahl auf Platz 100 von knapp 400, also im Mittelfeld.

Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Umfrage sehen die BTU positiv und verweisen auf die Fachrichtungen mit Renommee, die es in Cottbus durchaus gibt: Fächer wie Maschinenbau oder Architektur und Stadtplanung stehen hoch im Kurs und sind stark nachgefragt. Damit erreicht die BTU sogar eine überregionale Strahlkraft. Im Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) schneidet etwa das Cottbuser Architekturstudium mit Platz 6 gut ab. Maschinenbau landet auf Platz 9, Wirtschaftsingenieurwesen auf Platz 17. Doch abgesehen davon fehlen die großen Publikumsmagnete.

In einigen Antworten ist vom „schlechten Klima“ an der BTU die Rede. Das hat unter anderem historische Gründe: Die BTU Cottbus-Senftenberg ist das Ergebnis einer Zwangsheirat. Das Land Brandenburg wollte Geld sparen und schloss deshalb 2013 die Universität Cottbus mit der Hochschule Lausitz zusammen. Es entstand eine Struktur in zwei Städten, mit zweierlei Professoren, die zweierlei Gehalt beziehen und bis heute nicht warm geworden sind miteinander. So nennt Uni-Präsidentin Gesine Grande als Gründe für die schlechte Stimmung die Nachwirkungen der „inneren Neuaufstellung, der Integration von zwei unabhängigen Hochschulen unter einem Dach, der fehlenden personellen Kontinuität sowie einem insgesamt negativen Image und Entwicklungsstand der Region“. Das hat alles am Selbstbewusstsein gekratzt. Aber es nützt ja nichts, man muss nach vorn schauen.

Forschungs-Mekka für neue Energie

Nun soll alles besser werden. Gesine Grandes Mission ist, die BTU neu zu erfinden. Wie zur Entschädigung dafür, was das Land Brandenburg der BTU angetan hat, wird die Universität nun praktisch mit Geld überschüttet. Cottbus hat schließlich einen Standortvorteil; es liegt mitten im Braunkohlerevier. Für den Kohleausstieg bekommt die Lausitz Entschädigung in Form von vielen Millionen und neuen Forschungsinstituten. Cottbus ist neuerdings Heimat von gut einem Dutzend Einrichtungen. Dazu gehört etwa ein Fraunhofer-Institut für Energieinfrastrukturen und Geothermie sowie ein Institut für CO2-arme Industrieprozesse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Energie soll das große Thema in Cottbus bleiben, auch wenn die nicht mehr aus Kohle gewonnen wird.

All diese Einrichtungen in Summe ergeben schon einen beachtlichen Science Park. Jedenfalls dann, wenn dafür auch die klugen Forscher nach Cottbus kommen. Damit das klappt, braucht es viel Werbung und ein neues Image. Cottbus will der Mittelpunkt einer neuen Wissenslandschaft werden. Von etwas also, das man großspurig „Harvard Lausitz“ nennen könnte oder „MIT des Ostens“. Macht aber natürlich keiner, denn wir sind in Brandenburg, wo man nicht gern große Töne spuckt, drum heißt das Ganze nun „Lausitz Science Park“.

Milliarden für Medizin

Eines der Projekte mit der größten Strahlkraft in diesem Kontext ist: der Aufbau einer Mediziner-Ausbildung in Cottbus. Medizin ist, was die Anziehungskraft für klugen Nachwuchs betrifft, praktisch eine sichere Bank. Jeder Medizin-Studienplatz in Deutschland hat etwa zehn Bewerber. Einen neuen Studiengang aufzumachen, bedeutet demnach fast automatisch, dass junge Leute einströmen. Kein anderes Fach kann das leisten, nicht einmal die Ingenieurstudiengänge, die in Cottbus gerade bei ausländischen Studierenden gefragt sind.

Bestenfalls schon im Herbst 2026 sollen die ersten Medizinstudierenden in Cottbus loslegen können. Bis dahin müssen die Universität und das städtische Carl-Thiem-Klinikum so weit auf Vordermann gebracht sein, dass sie gemeinsam Forschung und Lehre leisten können für die 200 Medizinstudierenden, die pro Jahr anfangen sollen. Bis 2035 soll die neue Universitätsmedizin Cottbus komplett fertig sein. Das Ganze soll insgesamt knapp zwei Milliarden Euro kosten. Die sollen aus den Budgets für den Lausitzer Strukturwandel finanziert werden.

In unserer Umfrage halten das die meisten von Euch für machbar und sinnvoll. „Mehr Studierende, dadurch auch mehr Kaufkraft und mehr Menschen von außerhalb, die die Stadt mit frischen Ideen bereichern können und ein positives Bild von Cottbus in ihre jeweilige Heimat tragen können“, schreibt jemand. Das trifft in etwa das, was sich auch das Land Brandenburg und die Stadt Cottbus von diesem Milliardenprojekt erhoffen. Eine andere Antwort lautet: „Wir brauchen dringend mehr Mediziner.“ Auch das ist ein wichtiger Aspekt: Ostbrandenburg und Ostsachsen leiden unter Ärztemangel. Eine Ausbildungsstätte in Cottbus könnte helfen, medizinischen Nachwuchs mit der Region vertraut zu machen, damit sich später vielleicht der eine oder andere für eine Praxis in Finsterwalde oder Schleife oder einen Job am Klinikum Niederlausitz entscheidet. In unserer Umfrage schreibt jemand treffend: „Wer hier studiert, vielleicht auch gezwungenermaßen, weil er für Medizin in keiner anderen Stadt einen Platz bekommen hat, lernt die Region anders kennen.“ So zumindest die Hoffnung.