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Cottbus' erster Vintage-Laden

Cottbus' erster Vintage-Laden
Vintage-Laden Besitzerin Carolin Puscha | Foto: Christine Keilholz

Große Kieze gibt es in Cottbus nicht, dafür kleine Hotspots mit Flair. Das Quartier am Weltspiegel ist im Kommen. Carolin Puscha hat dort den ersten coolen Laden aufgemacht.

Von Christine Keilholz

Für Carolin Puscha war es die richtige Zeit, einen eigenen Laden aufzumachen. Und der richtige Ort. Seit Anfang April gibt es ihren Vintage-Laden in der Taubenstraße. „Push-Store“ hat die Cottbuserin ihn genannt. „Einen solchen Laden habe ich selber in Cottbus vermisst“, sagt sie. Auch Leute, die sie hier kennt, hätten ihr oft erzählt, sie müssten immer ganz nach Berlin fahren, um coole Vintage-Klamotten zu kaufen. Carolin Puscha hat selbst einige Jahre in Berlin gelebt. In einer Gegend, wo es viele solche Läden für den besonderen Geschmack gibt.

Mit ihrem „Push-Store“ hat sie sich nun in Cottbus nahe am Filmtheater Weltspiegel eingemietet. In diesem Quartier, wenige Fußminuten von der Innenstadt entfernt, tut sich was, seitdem das traditionsreiche Kino nach der Corona-Pause wieder geöffnet hat. Es kommt etwas in Bewegung. Ein bisschen nur, aber das kann in einer kleinen Großstadt wie Cottbus, wo es keine großen Kieze gibt, schon den Unterschied machen. Ein Vintage-Laden, das Gasthaus „Zur Sonne“ und ein Kino – und schon ist ein kleiner Hotspot entstanden.

Leben jenseits der Stadtpromenade

Die deutschen Innenstädte haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Online-Shopping und zuletzt die Corona-Pandemie führten dazu, dass viele Läden schließen mussten. Einkaufsstraßen sortieren sich neu. Für Cottbus heißt das unter anderem, dass nicht mehr nur im Dreieck zwischen Altmarkt, Spremberger Einkaufsstraße und der Shopping-Mall Blechen Carré die Musik spielt. Es gibt ein Leben jenseits der Stadtpromenade. Und das sucht sich andere Räume, in die es ziehen kann.

Der Weltspiegel-Kiez in Dynamik | Foto: Christine Keilholz

Zum Beispiel zwischen Taubenstraße und Rudolf-Breitscheid-Straße. Hier ist der Bauboom, der Cottbus erfasst hat, deutlich zu sehen. Die Stadt wächst und braucht neue Wohnungen. Das Quartier südlich vom Stadtzentrum ist einer der Bereiche, wo sich das Neue konzentriert. Es fügt sich ein in die gründerzeitlichen Straßenzüge, die mit ihren Hinterhöfen und alten Fabrikbauten etwas Berlinerisches an sich haben. Um die Ecke wird der alte Busbahnhof zu einem Wohnpark umgebaut. Das bringt Carolin Puscha die Laufkundschaft in ihren Store, der früher mal ein Reisebüro war und die letzten Jahre leer stand.

Mit Kurt Cobain an der Wand

Carolin Puscha ist 34 Jahre alt, in Cottbus geboren und aufgewachsen. Nach ihrer Lehre als Schneiderin befürchtete sie, künftig nur als Industrienäherin arbeiten zu können. Das wollte sie nicht. Also ging sie nach Potsdam und machte eine Ausbildung in der Touristikbranche. Sie hoffte auf einen Job am Berliner Großflughafen BER. Weil der jedoch über die Jahre nicht fertig wurde, orientierte Carolin Puscha sich um – und stieg in die Medienwelt ein: Acht Jahre lang arbeitete sie für Radiosender in Cottbus.

Bis schließlich der Moment kam, in dem sie sich entschied, ihre eigene Chefin zu werden. „Ich wollte lieber meinen eigenen Traum leben als den von anderen“, sagt sie. In ihrem Laden macht sie ihr Ding. In den “Push-Store” kommen Leute, die Nachhaltigkeit leben und Sachen tragen wollen, die nicht jeder hat. Besondere Einzelstücke, alles nachhaltig, secondhand und langlebig. Zwischen den Regalen mit bunten Kleidern hat Carolin Puscha Lounge-Sessel aufgestellt, die vom Flohmarkt kommen. An der Wand hängt ein Bild von Kurt Cobain, dem Grunge-Held der 90er. Der Laden passt ins Viertel am Weltspiegel. Die Gegend selbst hat Vintage-Flair.

Neue Läden braucht die Stadt

Die Idee vom eigenen Laden wirkt mittlerweile vielleicht auch schon etwas aus der Zeit gefallen. Der stationäre Einzelhandel steckt in der Krise. Etwas Neues aufzumachen, stellt ein Risiko dar. Keiner weiß, wohin sich der Einzelhandel entwickeln wird. „Für mich war klar, irgendwann muss alles wieder offen sein“, sagt Carolin Puscha. Die Leute seien online-müde – und Corona habe die Wertschätzung für echte Läden zurückgebracht. „Vielen ist bewusster geworden, dass es Läden braucht, um eine Stadt lebendig zu halten.“

Am Weltspiegel ist ihr Laden erstmal weit und breit der einzige. Die junge Geschäftsfrau ist jedoch überzeugt, dass weitere folgen werden und sich bald herumspricht, dass hier etwas im Kommen ist. „Die Cottbuser sind schon speziell“, sagt Carolin Puscha. „Aber wenn wie dann was gut finden, dann kommen sie auch.“